Erste Phase

In der ersten Phase beschäftigten wir uns ausschliesslich mit der Anpassung der Werkstatt. Der Arbeitsplatz musste entsprechend umgebaut werden. Was wir jetzt brauchten, war Platz und natürlich ein passendes System. Aber dazu später mehr. Im alten Jahr konnten wir mit den Vorbereitungsarbeiten beginnen. In einem ersten Schritt mussten erst mal alle Fahrzeugdaten ermittelt werden. Das Chassis wurde komplett vermessen und mit den Angaben aus der Literatur verglichen (Bild 2).

Bild 2

Ein bleibendes Erlebnis widerfuhr uns auf der lokalen Altstoffsammelstelle. Auf dem Werkhof hatten wir die Möglichkeit, die Gewichte einzeln zu ermitteln: Gesamtgewicht, Vorderachslast und Hinterachslast. Kaum war der Bentley auf der Waage, kam auch schon die halbe Belegschaft und schaute dem Treiben zu. Ein besonders cleverer Spezi sagte in gebrochenem Deutsch: «Du Auto nicht wegwerfen, ich nehmen gratis mit nach Hause». Ein müdes Lächeln klärte die Situation jedoch schnell. Nachdem nun alle Daten exakt ermittelt waren, machten wir unzählige Fotos. Jedes Detail wurde mehrmals abgelichtet. So kamen bereits vor dem Zerlegen einige hundert Fotos zusammen. Fast gleichzeitig waren wir mit der Eruierung von Partnerbetrieben beschäftigt. Wir brauchten kompetente und zuverlässige Partner an unserer Seite, um ein perfektes Resultat zu erreichen. Zudem war da noch der Faktor Zeit! In knapp 16 Monaten stand bereits der Termin fest für die Hauptprobe, die Marokko-Rallye 2010.

Vor dem Zerlegen hatten wir ein klares System für die Kennzeichnung der Teile festgelegt. Alle abgebauten Teile mussten gekennzeichnet und in entsprechenden Boxen und Kisten zwischengelagert werden. Alle mit roten Punkten markierten Teile waren unrestauriert oder alt, die grünen restauriert oder neu. In der ersten Phase brachten uns die vielen roten Punkte fast um den Verstand. Der Samstag wurde nun zum offiziellen Arbeitstag. Das spärliche Interieur mit den alten Instrumenten war in einem relativ schlechten Zustand (Bild 3).

Verwundert waren wir über den desolaten Zustand der Holzbodenplatten. Kaum zu glauben,
dass die Bodenplatten der Last überhaupt noch standgehalten hatten. Nun konnte erstmals der Raum unter der Karosserie eingesehen werden. Wie sollten da bloss zwei neue Benzintanks von je ca. 100 Liter und das gesamte Reisegepäck untergebracht werden? Erste Kartondummies zeigten auf, wo genau die neuen Bodenpartien eingebaut werden mussten, um das Volumen optimal aufzuteilen (Bild 4). Bald wurde klar, dass im hintersten Teil der Karosserie ein kleiner Zugang geschaffen werden musste, damit erstens das volle Volumen genutzt und zweitens die Lastverteilung optimal vorgenommen werden konnte (Bild 5).

Zudem wurden viele Halterungen und Aufnahmen gefertigt, welche es ermöglichten, Kisten und Werkzeug aussen am Fahrzeug sicher zu befestigen. Zu Beginn des Jahrs 2009 wurde die Karosserie komplett vom Chassis getrennt. Nun liefen viele Arbeiten parallel, und die einzelnen Bestandteile waren immer weniger als Auto zu erkennen. Die Karosserie wurde samt Gitterrohrrahmen einem Spezialisten übergeben, das Aluminiumkleid vollständig vom Stahlrahmen gelöst und auf einer eigens angefertigten Richtbank repariert. Ein grosser Teil der Randabschlüsse war so stark oxidiert, dass einige Meter neues Aluminiumblech eingeschweisst werden mussten. Einige Anbauteile konnten nicht mehr gerettet werden und wurden ganz neu angefertigt. Auch der «Kofferraumdeckel » inkl. Scharnier musste mit viel Kreativität neu aufgebaut werden. Der Gitterrohrrahmen wurde mit einigen zusätzlichen Halterungen versehen und nach dem Ablaugen neu lackiert. Eine spezielle Lackierung verhindert in Zukunft die aggressive Kontaktkorrosion an der Aluminium- Karosserie. Die neuen Halterungen ermöglichen es, später zusätzliche Staufächer zwischen dem Armaturenbrett und der Spritzwand zu montieren. Staufächer kann es bei einem Rallye-Fahrzeug einfach nie genug haben (Bild 6).